Ilmebahn
Vor dem Großen Krieg: Bau und frühe Bedeutung (bis 1945)
Die Eisenbahnstrecke zwischen Einbeck‑Salzderhelden und Dassel begann als regionale Nebenbahn im spätindustriellen Deutschland. Der Bahnhof Salzderhelden an der Hannöverschen Südbahn wurde am 1. August 1854 eröffnet und verband das Ilmetal zunächst mit der Hauptstrecke zwischen Hannover und Kassel. Erst 25 Jahre später, am 10. September 1879, ging die 4,6 km lange Verbindung von Salzderhelden nach Einbeck (heute Einbeck Mitte) in Betrieb, wodurch der Bahnhof zum Abzweigpunkt wurde. Bereits 1882/83 gründete sich die Ilmebahn Aktiengesellschaft zur Fortsetzung der Strecke von Einbeck nach Dassel, und am 20. Dezember 1883 nahm der Eisenbahnbetrieb auf dieser 13,4 km langen Nebenbahn auf. Die Betriebsführung lag zunächst bei der Braunschweigischen Eisenbahngesellschaft und später bei staatlichen Eisenbahngesellschaften wie der Preußischen Staatsbahn und der Deutschen Reichsbahn. Die eingleisige Normalspur‑Infrastruktur umfasste Bahnhofs‑ und Zwischenstationen wie Markoldendorf und Eilensen, die der Region direkten Anschluss an das Schienennetz gaben.
Wiederaufbau und Umbrüche: Die Ilmebahn im 20. Jahrhundert (1945 – 1990)
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb auf der Strecke fortgeführt, jedoch änderte sich mit der Zeit die verkehrliche Bedeutung. 1954 übernahm die Ilmebahn von der Deutschen Bundesbahn die Verkehrsleistungen auf der Strecke Salzderhelden–Einbeck. In den 1960er und 1970er Jahren nahm der motorisierte Straßenverkehr zu, und der Schienenpersonenverkehr auf der Ilmebahn ging zurück. Bis 1975 wurde der planmäßige Personenverkehr auf dem Abschnitt zwischen Einbeck und Dassel eingestellt; auf dem Abschnitt Salzderhelden–Einbeck endete der SPNV 1984. Seither dominieren Busverbindungen den Regionalverkehr, und Güterverkehr sowie spezielle Sonderzüge blieben weitgehend auf dem Restnetz bestehen. Die Ilmebahn AG wandelte sich in diesen Jahrzehnten organisatorisch weiter: 1992 wurde sie zur Ilmebahn GmbH, und 1999 pachtete sie von der DB AG das Teilstück von Einbeck Mitte nach Salzderhelden, das sie 2005 endgültig erwarb. Die einst durchgehende Strecke wurde in mehreren Abschnitten stillgelegt und zurückgebaut – so endete der planmäßige Verkehr bei Markoldendorf und schließlich bei Juliusmühle.
Reaktivierung und heutiger Betrieb (1990 bis heute)
Seit den 1990er Jahren steht die Strecke im Zeichen von Erhalt und punktueller Reaktivierung. Nachdem die Ilmebahn GmbH das Netz übernommen hatte, wurde intensiv an einer Wiederbelebung des Schienenpersonennahverkehrs gearbeitet. Nach umfassenden Bau‑ und Ertüchtigungsmaßnahmen wurde der reguläre SPNV zwischen Einbeck Mitte und Einbeck‑Salzderhelden im Dezember 2018 im Stundentakt wieder aufgenommen, mit direkten Anschlussmöglichkeiten über Salzderhelden zur RE2‑Linie Richtung Göttingen und Hannover. In den Folgejahren entstanden neue Haltepunkte wie Einbeck Otto‑Hahn‑Straße (2019) und BBS/PS.SPEICHER (2022), um lokale Verkehrsbedürfnisse besser zu bedienen. Heute ist die Strecke eingleisig, technisch modernisiert und Teil des Verkehrsverbundes Südniedersachsen (VSN). Auf der verbliebenen Infrastruktur werden neben dem SPNV auch Güterverkehr, Sonderfahrten und historische Züge betrieben. Bereiche ehemaliger Trasse über Markoldendorf und Dassel sind größtenteils stillgelegt oder zu Radwegen umgenutzt, was die wechselvolle Entwicklung von der regionalen Hauptverbindung zur heutigen Nebenbahn dokumentiert.